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Resumé der Internationalen Tagung - „Der Wolf in Europa – Utopie und Wirklichkeit“

Resumé der Internationalen Tagung

„Der Wolf in Europa – Utopie und Wirklichkeit“

in Halberstadt vom 25.-28.04.2019

Vom 25.-28. April 2019 hatte die Gesellschaft für Wildtier- und Jagdforschung gemeinsam mit den Landesjagdverbänden Sachsen-Anhalt, Sachsen und Bayern sowie der Fakultät für Forstwissenschaften der Universität Zagreb/Kroatien zu einer internationalen Tagung über die Ökologie und das Management des Wolfes in Europa eingeladen. Es war das Ziel, in allen den Wolf betreffenden Fragen einen Konsens zwischen Pro und Kontra auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse anzumahnen bzw. einzufordern – „science for future“.

Es wurden Gäste und Referenten aus Schweden, den Niederlanden, Finnland, Frankreich, Österreich, Estland, Kroatien, Tschechien, der Slowakei, aus Kanada und den USA begrüßt. Referenten aus Italien, Indien und Kasachstan, Bosnien und Serbien mussten kurzfristig absagen. Alle Vorträge sollen in Band 44 der „Beiträge zur Jagd- und Wildforschung“ publiziert werden.

Einleitend wurden grundsätzliche Fakten zur gegenwärtigen Situation der expansiven Arealerweiterung des Wolfes in Europa zusammengefasst. Es wurde dargelegt, dass in den „Beiträgen zur Jagd- und Wildforschung“ seit 1994 56 wissenschaftliche Arbeiten über den Wolf publiziert worden sind, die in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind und von den Wolfbefürwortern bewusst oder unbewusst verschwiegen werden. Kernsätze aus diesen Arbeiten lauten:

-  Es wird eine nachhaltige Regulation des Großraubwildes gefordert. Totale Jagdverbote sind bei stabilisierten Populationen des Großraubwildes kontraproduktiv und provozieren illegale Abschüsse.

-  Anmahnung einer Vernetzung europäischer Managementmaßnahmen.

-  Der Einfluss auf Beutetierpopulationen ist teilweise beträchtlich.

-  Wolfbestände müssen kontrolliert werden, um eine übermäßige Ausbreitung und Vermehrung zu verhindern. Andernfalls drohen in Haus- und Wildtierbeständen irreparable Schäden.

-  Einer zukünftigen nachhaltigen Regulierung und Nutzung sollte grundsätzlich nichts im Wege stehen sobald eine Population wieder gesichert und in ihrer Reproduktion vital ist.

-  Es wird für selbstverständlich gehalten, dass in Gebieten, in denen Jagdwirtschaft betrieben wird, der Wolf einbezogen werden muss. Die Forderung nach wissenschaftlichen Untersuchungen ist ebenso  unerlässlich.

In Deutschland wird gegenwärtig eine „mehrfarbige“ Lobbypolitik betrieben, die wissenschaftliche Erkenntnisse negiert, sich vor den Wolf stellt und diejenigen, die sich für einen Kompromiss von Pro und Kontra einsetzen, beschimpfen, beleidigen oder ernsthaft bedrohen. Mit der Entnahme von Problemwölfen, der Produktion von Wolfrettungswagen und der Kastration von Wolfhybriden ist das Wolfproblem nicht zu lösen. Darüber hinaus wird mit haltlosen Vorstellungen zum Populationsverständnis und dem so genannten „günstigen Erhaltungszustand“ argumentiert, was zu wissenschaftlich begründeter Kritik und Richtigstellungen Anlass gab.

Alle renommierten Wildbiologen sprechen sich für den Wolf, aber in einer klar begrenzten Bestandeshöhe aus. Dies war erneut der maßgebende Tenor der diesjährigen Veranstaltung. Die bisherigen Managementpläne sprechen das Kernproblem einer Bestandregulierung nicht an.

In einer stark zer- und besiedelten europäischen Landschaft kann der Wolf nicht flächendeckend akzeptiert werden. Der Hauptfaktor ist die Gefährdung der Weidewirtschaft in der Kulturlandschaft, die für das naturschutzfachliche Management und verschiedene wirtschaftliche Belange im Flachland und Gebirge unerlässlich ist. Es muss auch wolfsfreie Zonen geben!  Die Einbeziehung der sozialen Belange der Bevölkerung ist unerlässlich.

Die Wolfdiskussion ist bei den Parteien und im Bundestag angekommen. CDU, CSU, FDP, AfD sowie die Linke und Blaue Partei sprechen sich für die Begrenzung der Wolfpopulation aus. Aktuelle Umfragen besagen, dass bis zu 80% der Bevölkerung für eine Kontrolle der Wolfbestände sind. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Stübgen sowie der Landrat des Kreises Bautzen M. Harig kritisierten die Lobbypolitik von Entscheidungsträgern und Lobbyisten.

Der Wolfbestand wird in zahllosen EU- und Nicht-EU-Ländern durch jagdliche Maßnahmen reguliert, was erneut in mehreren Beiträgen transparent wurde, ohne die Art in ihrer Existenz zu gefährden. Von den ca. 8 Millionen Tier- und Pflanzenarten sind gegenwärtig eine Million vom Aussterben bedroht (Weltbiodiversitätsrat). Der Wolf gehört eindeutig nicht dazu.

Alle Monitoringarbeiten in den Bundesländern sowie die zentrale Untersuchung der Totfunde am IZW in Berlin und die angelaufenen Telemetriestudien sind zu begrüßen. Es wurde darüber hinaus deutlich, dass die epizootiologische und parasitologische Bedeutung des Wolfes ganz unzureichend in den Managementplänen behandelt wird, was in Nordamerika und Teilen Eurasiens jedoch von enormer Relevanz im wild- und humanökologischen Umfeld ist.

Artenschutz in einer arg veränderten Kulturlandschaft ist nicht teilbar. Die Ausrottung des Muffelwildes durch Wolf und Luchs ist nicht akzeptabel. Die Erhaltung des Genpools Muffelwild hat für Deutschland eine prioritäre europäische Bedeutung. Dieser gordische Knoten wird auch nicht mit der Behauptung, dass das Muffelwild hier nicht hergehört, zerschlagen. § 7 des Bundesnaturschutzgesetzes beantwortet dieses Diskussionsfeld eindeutig. Das Muffelwild ist in der Lausitz und Lüneburger Heide bereits dem Wolf zu Opfer gefallen. Der Bestand auf den Mittelmeerinseln ist durch Wilderei und Hybridisierung mit Hausschafen hochgradig gefährdet. Das Muffelwild im Ostharz stellt eine isolierte Population mit autochthonem Ausgangsmaterial dar und der Erhaltungszustand liegt bereits weit unter 1000 Tieren, was den Schutz vor Wolf und Luchs geradezu herausfordert. Entgegen des mitteleuropäischen Wolfbestandes stellt sich für das Ostharzer Muffelwild in der Tat die Frage nach dem „günstigen Erhaltungszustand“. Den internationalen Konventionen folgend, verlangt das Ostharzer Muffelwild also einen höheren Schutzstatus als der Wolf! Die Prädatoren können dort nur auf einem sehr niedrigen Niveau akzeptiert werden.

Es erheben sich klare Forderungen zur Regulierung und Begrenzung des Wolfbestandes in Deutschland mit der Notwendigkeit der Herabstufung des Schutzstatus aus Anhang IV in Anhang V der FFH-Richtlinie und die Übernahme in die Jagdgesetze der Bundesländer, die Festlegung eines Akzeptanzbestandes und einer begrenzten Jagdzeit sowie einer flexiblen Quotenregelung je nach den Ergebnissen der Reproduktionsentwicklung.

Es muss jetzt gehandelt werden! Die Politik darf das Geschehen nicht weiter aussitzen und den Ereignissen hinterherlaufen! Wir erwarten klare Entscheidungen zum Schutz und zur Regulierung des Wolfbestandes in Deutschland sowie zum Erhallt des hochgradig gefährdeten Muffelwildes.

Internationales Symposium 2019 in Halberstadt

"Der Wolf in Europa – Utopie und Wirklichkeit"

Wissenschaft und der gesellschaftliche Konsens zwischen pro und kontra

The Wolf in Europe – Utopia and Reality

25.04. bis 28.04.2019 - PROGRAMM - VORTRÄGE - PDF - Bitte öffnen oder herunterladen!
in Halberstadt/Sachsen-Anhalt/Germany

Kontakt:                                               Veranstaltungsort:          

Gesellschaft für Wildtier-                        D-38820 Halberstadt

und Jagdforschung e.V.                          Seminarhotel

Prof. Dr. M. Stubbe                                Kirschallee 6

Domplatz 4                                           breuste@k6-seminarhotel.de

D-06108 Halle/Saale

stubbe@zoologie.uni-halle.de

Internationale Jahrestagung 2018

Tagung 2018 vom 19.04. bis 22.04.2018 in Masserberg-OT Heubach/Südthüringen

Die Internationale Jahrestagung 2018 wird unter der Thematik  „Wildtierforschung in Deutschland und Ländern des südlichen Mitteleuropas“ vom 19.04.-22.04.2018 durchgeführt.

Tagesordnung/Programm - hier als PDF-Dokument hinterlegt. Bitte öffnen!

„Wildtierforschung in Deutschland und Ländern des südlichen Mitteleuropa“
„Wildlife Research and Management in Germany and countries of southern Middle-Europe"

Als Mitveranstalter wurden auf deutscher Seite der DJV und der Landesjagdverband Sachsen angefragt. Als Mitveranstalter haben der LJV Thüringen, die Fakultät für Forstwissenschaften der Universität Prag, das Forschungsinstitut für Tierproduktion in Nitra (Slowakei) und die „Balkan Society for Wildlife Research and Management“ zugesagt. Wir erwarten eine starke Beteiligung/Teilnahme unserer Mitglieder und internationaler Gäste. Wir empfehlen eine möglichst umgehende Anmeldung am Tagungsort. Der hohe Aufwand wird durch Ihre Teilnahme belohnt!

Universität Halle | 06099 Halle | Domplatz 4
Telefon 0345 5526453 | Telefax 0345 5527314
E-Mail stubbezoologie.uni-hallede

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