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Anteilnahme

Im Gedenken an Prof. Dr. Valerius Geist (1938 - 2021)

Während der Drucklegung dieses Bandes ereilte uns die erschütternde Nachricht vom Tod unseres neu berufenen Korrespondierenden Mitglieds Valerius Geist am 06.07.2021.

Bitte hier klicken: Gesamtes Dokument des Gedenkens Valerius Geist

Sein Lebensweg begann unter dramatischen Ereignissen. Er wurde am 2. Februar 1938 im ukrainischen Nikolajew am Schwarzen Meer in der Familie eines Ingenieurehepaares geboren. Als der Vater, im Dienst des russischen Militärs, nach Murmansk versetzt wurde, flohen Mutter und Sohn über Österreich und Schlesien schließlich nach Marburg. 1953 wanderten sie beide nach Kanada aus.

In Vancouver schloss Valerius ein Zoologiestudium ab. An jener Universität legte er dann auch 1966 seine Dissertation über das Verhalten der kanadischen Wildschafe vor. Bereits 1962 heiratete er die aus Fulda stammende Biologin Renate Brall, mit der er außerordentlich glücklich zusammen lebte und drei Kinder großzog. Der Tod seiner nach schwerer Krankheit verstorbenen Frau traf ihn schwer.

Von 1967 bis 1968 weilte Valerius Geist als Postdoktorand bei Konrad Lorenz in Seewiesen am Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie. Von hieraus lernte er damals die Arbeitsgemeinschaft für Jagd- und Wildforschung in der DDR kennen und publizierte in unserem Journal.

Seit 1977 war er als Direktor an der Fakultät für Umweltwissenschaften an der Universität Calgary tätig. Bis in sein hohes Alter pflegte er die Verbindung zu dieser Institution. Der Name von Valerius Geist lebt in seinen hervorragenden Monographien zu den Großsäugern Nordamerikas und seinen tiefgründigen Studien zur Evolution des Menschen weiter. Eine umfangreiche Literaturkenntnis zeichnete den Verhaltensforscher aus, der zwischen Ost und West vermittelte und ein hohes Ansehen genoss. Zahlreiche Ehrungen wurden ihm zuteil. 

Als die Gesellschaft für Wildtier- und Jagdforschung ihn zum 1. Januar 2021 zum Außerordentlichen Mitglied berufen hatte, schrieb er im Februar vom Krankenbett die beiliegende Seeotterkarte: Bitte hier klicken, Gesamtes Dokument des Gedenkens Valerius Geist

Unsere letzte Korrespondenz datiert vom 31.05. und 1.06.2021: "Lieber Michael, anbei eine Arbeit mit Lenni Baskin, ein alter Freund von mir, und großer Kenner Sibiriens. Ich hoffe, das kann in den Beiträgen zur Jagd- und Wildforschung aufgenommen werden. Bitte weiterreichen. Ich bin gerade am Genesen nach einer sehr langen Operation, welche die Blutzufuhr in meinem linken Bein wieder herstellte. Durch Zuckerkrankheit ist die Blutzufuhr in den Beinen böse gedrosselt worden. Und es kam ganz schnell, denn vor zwei Jahren rannte ich noch die Treppen hoch in den Flughäfen. Aber kurz vor der Operation erlitt ich obendrein einen – gottlob – milden Herzinfarkt. Es führte dazu, dass man dann noch entdeckte, dass das Ventil in der Aorta ersetzt werden muss, aber die Operation muss ich noch erst abwarten. Soweit, so gut. Ich hoffe bald wieder in Port Alberni zu sein, denn jetzt bin ich noch bei der Familie meines jüngsten Sohnes. Herzliche Grüße an Euch beide! Valerius Geist." 

In unserer Antwort vom 1. Juni heiß es: "Lieber Val, herzlichen Dank für das Manuskript, das wir gerne in die Beiträge aufnehmen….Es ist wunderbar, dass Deine F1-Generation Dich aufgefangen hat und Du gesunden kannst. Sehr herzliche Grüße an die ganze Mannschaft. Michael und Anne." 

Anfang Juli verbreitete sich die unfassbare Nachricht seines Todes von Amerika nach Europa wie ein Lauffeuer, das in hoher Anerkennung seiner Person noch immer lodert. Wir werden Valerius Geist in dankbarer Erinnerung und Vorbild in der Durchsetzung wissenschaftlicher Erkenntnis behalten.

Michael und Annegret Stubbe, Juli 2021

 

 

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