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Termine/News

Jahresbilanz 2019 und Ausblick 2020

Jahresbilanz 2019 und Ausblick auf das Jahr 2020                         Halle, den 15.11.2019
(Die Jahresbilanz 2019 und Ausblick auf das Jahr 2020 können sich
auch gern als PDF-Dokument herunterladen.)

Liebe Mitglieder der GWJF,

Ende 2018 konnte Ihnen Band 43 der „Beiträge zur Jagd- und Wildforschung“ termingerecht zugestellt werden. Der Dank gilt wiederum unseren Sponsoren,  allen Referenten und Postergestaltern sowie dem Team der fristgemäßen Fertigstellung des hochwertigen Bandes, dem Bäßler-Verlag, der durch die Erkrankung von Frau Mielenz kurzfristig einsprang, Frau Lektorin W. Düber sowie der Salzland Druck GmbH Staßfurt. Mit dem Band 43 zur Wildtierforschung in Deutschland und zahlreichen Beiträgen ausländischer Wildforscher bereichert der Band mit einem bedeutenden Weiterbildungsmaterial unsere Kenntnisse zum Rot-. Reh- und Schwarzwild, zum Biber, Feldhasen, zum Wolf, Fuchs, Fischotter, Waschbär, Auerwild und Wasserwild sowie zu historischen Daten und zukunftsorientierten Perspektiven.

Tagung 2019 in Halberstadt  „Der Wolf in Europa – Utopie und Wirklichkeit“

Vom 25.-28. April 2019 hatte die Gesellschaft für Wildtier- und Jagdforschung gemeinsam mit den Landesjagdverbänden Sachsen-Anhalt, Sachsen und Bayern sowie der Fakultät für Forstwissenschaften der Universität Zagreb/Kroatien zu einer internationalen Tagung über die Ökologie und das Management des Wolfes in Europa eingeladen. Es war das Ziel, in allen den Wolf betreffenden Fragen einen Konsens zwischen Pro und Kontra auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse anzumahnen bzw. einzufordern – „science for future“. Es wurden 160 Teilnehmer registriert.

Es konnten Gäste und Referenten aus Schweden, den Niederlanden, Finnland, Frankreich, Österreich, Estland, Kroatien, Tschechien, der Slowakei, aus Kanada und den USA begrüßt werden. Referenten aus Italien, Indien und Kasachstan, Bosnien und Serbien mussten kurzfristig absagen. Alle Vorträge sollen in Band 44 der „Beiträge zur Jagd- und Wildforschung“ publiziert werden.

Einleitend wurden grundsätzliche Fakten zur gegenwärtigen Situation der expansiven Arealerweiterung des Wolfes in Europa zusammengefasst. Es wurde dargelegt, dass in den „Beiträgen zur Jagd- und Wildforschung“ seit 1994 56 wissenschaftliche Arbeiten über den Wolf publiziert worden sind, die in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind und von den Wolfbefürwortern bewusst oder unbewusst verschwiegen werden. Kernsätze aus diesen Arbeiten lauten:

- Es wird eine nachhaltige Regulation des Großraubwildes gefordert. Totale Jagdverbote sind bei stabilisierten Populationen des Großraubwildes kontraproduktiv und provozieren illegale Abschüsse.

- Anmahnung einer Vernetzung europäischer Managementmaßnahmen.

- Der Einfluss auf Beutetierpopulationen ist teilweise beträchtlich.

- Wolfbestände müssen kontrolliert werden, um eine übermäßige Ausbreitung und Vermehrung zu verhindern. Andernfalls drohen in Haus- und Wildtierbeständen irreparable Schäden.

- Einer zukünftigen nachhaltigen Regulierung und Nutzung sollte grundsätzlich nichts im Wege stehen sobald eine Population wieder gesichert und in ihrer Reproduktion vital ist.

- Es wird für selbstverständlich gehalten, dass in Gebieten, in denen Jagdwirtschaft betrieben wird, der Wolf einbezogen werden muss. Die Forderung nach wissenschaftlichen Untersuchungen ist ebenso  unerlässlich.

In Deutschland wird gegenwärtig eine „mehrfarbige“ Lobbypolitik betrieben, die wissenschaftliche Erkenntnisse negiert, sich vor den Wolf stellt und diejenigen, die sich für einen Kompromiss von Pro und Kontra einsetzen, beschimpfen, beleidigen oder ernsthaft bedrohen. Mit der Entnahme von Problemwölfen, der Produktion von Wolfrettungswagen und der Kastration von Wolfhybriden ist das Wolfproblem nicht zu lösen. Darüber hinaus wird mit haltlosen Vorstellungen zum Populationsverständnis und dem so genannten „günstigen Erhaltungszustand“ argumentiert, was zu wissenschaftlich begründeter Kritik und Richtigstellungen Anlass gab.

Alle renommierten Wildbiologen sprechen sich für den Wolf, aber in einer klar begrenzten Bestandeshöhe aus. Dies war erneut der maßgebende Tenor der diesjährigen Veranstaltung. Die bisherigen Managementpläne sprechen das Kernproblem einer Bestandregulierung nicht an.

In einer stark zer- und besiedelten europäischen Landschaft kann der Wolf nicht flächendeckend akzeptiert werden. Der Hauptfaktor ist die Gefährdung der Weidewirtschaft in der Kulturlandschaft, die für das naturschutzfachliche Management und verschiedene wirtschaftliche Belange im Flachland und Gebirge unerlässlich ist. Es muss auch wolfsfreie Zonen geben!  Die Einbeziehung der sozialen Belange der Bevölkerung ist unerlässlich.

Die Wolfdiskussion ist bei den Parteien und im Bundestag angekommen. CDU, CSU, FDP, AfD sowie die Linke und Blaue Partei sprechen sich für die Begrenzung der Wolfpopulation aus. Aktuelle Umfragen besagen, dass bis zu 80% der Bevölkerung für eine Kontrolle der Wolfbestände sind. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Stübgen sowie der Landrat des Kreises Bautzen M. Harig kritisierten die Lobbypolitik von Entscheidungsträgern und Lobbyisten.

Der Wolfbestand wird in zahllosen EU- und Nicht-EU-Ländern durch jagdliche Maßnahmen reguliert, was erneut in mehreren Beiträgen transparent wurde, ohne die Art in ihrer Existenz zu gefährden. Von den ca. 8 Millionen Tier- und Pflanzenarten sind gegenwärtig eine Million vom Aussterben bedroht (Weltbiodiversitätsrat). Der Wolf gehört eindeutig nicht dazu.

Alle Monitoringarbeiten in den Bundesländern sowie die zentrale Untersuchung der Totfunde am IZW in Berlin und die angelaufenen Telemetriestudien sind zu begrüßen. Es wurde darüber hinaus deutlich, dass die epizootiologische und parasitologische Bedeutung des Wolfes ganz unzureichend in den Managementplänen behandelt wird, was in Nordamerika und Teilen Eurasiens jedoch von enormer Relevanz im wild- und humanökologischen Umfeld ist.

Artenschutz in einer arg veränderten Kulturlandschaft ist nicht teilbar. Die Ausrottung des Muffelwildes durch Wolf und Luchs ist nicht akzeptabel. Die Erhaltung des Genpools Muffelwild hat für Deutschland eine prioritäre europäische Bedeutung. Dieser gordische Knoten wird auch nicht mit der Behauptung, dass das Muffelwild hier nicht hergehört, zerschlagen. § 7 des Bundesnaturschutzgesetzes beantwortet dieses Diskussionsfeld eindeutig. Das Muffelwild ist in der Lausitz und Lüneburger Heide bereits dem Wolf zu Opfer gefallen. Der Bestand auf den Mittelmeerinseln ist durch Wilderei und Hybridisierung mit Hausschafen hochgradig gefährdet. Das Muffelwild im Ostharz stellt eine isolierte Population mit autochthonem Ausgangsmaterial dar und der Erhaltungszustand liegt bereits weit unter 1000 Tieren, was den Schutz vor Wolf und Luchs geradezu herausfordert. Entgegen des mitteleuropäischen Wolfbestandes stellt sich für das Ostharzer Muffelwild in der Tat die Frage nach dem „günstigen Erhaltungszustand“. Den internationalen Konventionen folgend, verlangt das Ostharzer Muffelwild also einen höheren Schutzstatus als der Wolf! Die Prädatoren können dort nur auf einem sehr niedrigen Niveau akzeptiert werden.

Es erheben sich klare Forderungen zur Regulierung und Begrenzung des Wolfbestandes in Deutschland mit der Notwendigkeit der Herabstufung des Schutzstatus aus Anhang IV in Anhang V der FFH-Richtlinie und die Übernahme in die Jagdgesetze der Bundesländer, die Festlegung eines Akzeptanzbestandes und einer begrenzten Jagdzeit sowie einer flexiblen Quotenregelung je nach den Ergebnissen der Reproduktionsentwicklung.

Es muss jetzt gehandelt werden! Die Politik darf das Geschehen nicht weiter aussitzen und den Ereignissen hinterherlaufen! Wir erwarten klare Entscheidungen zum Schutz und zur Regulierung des Wolfbestandes in Deutschland sowie zum Erhallt des hochgradig gefährdeten Muffelwildes.

Mitgliederversammlung

Am Abend des 26.04.2019 fand die Mitgliederversammlung der GWJF unter Teilnahme von 44 Mitgliedern und diversen Gästen statt. Im Rahmen des Rechenschaftsberichtes des Vorsitzenden erfolgten die Vorstellung neuer Mitglieder und das Gedenken an unser langjähriges und sehr verdienstvolles Mitglied Prof. Dr. Karl Missbach, der im Dezember 2018 verstarb. Zwischenzeitlich verstarb 2019 unser langjähriges aktives Ehrenmitglied Prof. Dr. Axel Siefke. Eine Würdigung dieser Personen finden Sie in Band 44. Ebenso erreichte uns die Nachricht vom Tod des bekannten Carnivorenforschers Prof. Dr. Rüdiger Schröpfer, der zwar kein Mitglied der GWJF war, aber dennoch vielen in Erinnerung ist. Ein Nachruf wird in den Säugetierkundlichen Informationen zu finden sein.

Mit der Ehrenmedaille der GWJF wurde Prof. Dr. M. Grubeši? (Kroatien) für seine hervorragende Zusammenarbeit mit der GWJF ausgezeichnet (s. Band 44).

Der Bericht des Schatzmeisters, Dipl.-Ing. Jens Dahlems, lag in einer Powerpoint-Präsentation vor. Es liegt wieder ein weitgehend ausgeglichener Haushalt vor. Die Kassenprüfer (M. Klein und K.-H. Müller) bestätigten den sorgsamen Umgang mit den Finanzen; es gab keine bemerkenswerten Beanstandungen. Die Umstellung auf das SEPA-Einzugsverfahren der Mitgliedsbeiträge konnte weitgehend reibungslos erfolgen. Säumige Beitragszahler werden daran erinnert, ihren Pflichten nachzukommen. Die Bankverbindungen sind umseitig noch einmal angegeben. Bei mehreren Mitgliedern machten sich Rückbuchungen erforderlich, was erhebliche Kosten verursacht. Bitte dem Schatzmeister, falls noch nicht geschehen, Änderungen mitteilen.

Nach der Entlastung des Vorstandes für das Berichtsjahr 2018 erfolgte die Wahl der Kassenprüfer. Als Kassenprüfer wurden für das laufende Geschäftsjahr Karl-Heinz Müller und Mario Klein erneut bestätigt.

Als neue Mitglieder der GWJF wurden während der Tagung bzw. in den folgenden Monaten aufgenommen (Stand 15.11.2019): Dr. Henning Aleyt (Hohenmölsen), Friedrich Noltenius (Lichtenberg), Joachim Brenz (Gardelegen), Dipl-Päd. Jörg Deutschmann Bad Klosterlausnitz), Jan Knoop (Rechtenfleth), Dr. Ralf Smit (Lörrach), Prof. Dr. Konrad Wälder (Senftenberg), Felix Handke (Halle/Saale), Dr. Stefan Birka (Zwenkau).

Tagung 2020

Die Jahrestagung 2020 wird unter der Thematik „Wildtierkrankheiten, Parasiten, Kontamination“ sowie einem breiten Fächer von Vorträgen freier Themenwahl vom 23.04. bis 26.04.2020 in Halberstadt/Sachsen-Anhalt durchgeführt. Die Tagungsunterlagen liegen dem Bericht bei. Die Quartierbestellung erfolgt in eigener Regie im Tagungshotel ab sofort. Es wird unverzüglich um Themenmeldungen zu Vorträgen und Postern gebeten. Die Publikation der Tagungsvorträge, Poster und anderer eingehender Manuskripte erfolgt in Band 45 der „Beiträge zur Jagd- und Wildforschung“. Es wird um eine rege Beteiligung gebeten, da am 25.04. auch Vorstandswahlen anstehen. Die Mitgliederversammlung 2020 in Halberstadt soll über Ort und Thema der Jahrestagung 2021 befinden. Wir rufen dazu auf, umsetzbare Vorschläge einzubringen. 2020 treten der 1. Vorsitzende und der Schatzmeister aus dem Vorstand zurück, womit sich ab Mai 2020 auch die Anschrift der Geschäftstelle und die Kontoverbindung ändern werden.

Weitere Nachrichten und Aktivitäten der GWJF 2019

Die Kooperation mit Wissenschaftlern der Nationalen Universität Ulaanbaatar wurde 2019 in der Ostmongolei zielstrebig fortgeführt. Neben faunistisch-ökologischen Untersuchungen stand ein Beringungsprogramm zum Erkenntnisgewinn der Migration ausgewählter Vogelarten in der Zielstellung. 2020 soll durch eine Weiterbildungs- und Forschungsreise der GWJF in die Transaltaigobi die Zusammenarbeit fortgeführt werden. Die Vorbereitungen sind weitgehend abgeschlossen.

Aus Anlass einer internationalen Tagung zur Erforschung biologischer Ressourcen Zentralasiens in Kyzyl (Republik Tuva) und der Wiederkehr des 50. Jahrestages der Beschreibung des tuvinischen Bibers wurde die Zusammenarbeit mit dem Institut für Jagdwirtschaft und Pelztierzucht in Kirov durch M. & A. Stubbe und A. Saveljev in Südsibirien neu belebt.

Zur Vervollständigung unserer Zeitschriftenreihe bieten wir unseren Mitgliedern aus Lagerbeständen fehlende Bände mit einem erheblichen Rabatt an. Nutzen Sie das Angebot!

Nach wie vor ist die Verbreitung unseres Journals „Beiträge zur Jagd- und Wildforschung“ eine wichtige Tagesaufgabe, um wissenschaftliche Erkenntnisse in der Praxis umzusetzen. Die ostdeutschen Mitgliedsverbände sowie die LJS Niedersachsen erhalten jährlich bei Einstellung einer finanziellen Förderung zwischen 30 bis 70 Exemplare der „Beiträge zur Jagd- und Wildforschung“, die in den erweiterten Präsidien an die Vorsitzenden der Kreisjägerschaften kostenlos als wertvolles Weiterbildungsmaterial ausgehändigt werden. Wir unterbreiten erneut nachhaltig die Empfehlung, in den LJV der westlichen Bundesländer ähnlich zu verfahren. Bitte konsultieren Sie den Vorstand der GWJF.

Es wird daran erinnert, dass wesentlich stärker als bisher die Internetseite der GWJF (www.Wildtierforschung.de) als Podium für neue Ergebnisse aus den Forschungsbereichen unserer Mitglieder genutzt werden sollte. Abstracts von Publikationen, inhaltliche Schwerpunkte von Diplomarbeiten und Dissertationen, Buchrezensionen etc.. Ansprechpartner ist Dipl.-Ing. Jens Dahlems: Torwiesenstr. 4, 98660 Themar, mail: jens_dahlems@web.de, Tel./Fax: 036873-60362.

Bei der Vorbereitung von Manuskripten bitte dringend die MS-Richtlinie beachten!

Die Deadline ist jeweils der 30. April!

Bitte Adressen- und Kontoänderungen immer aktuell dem Vorstand übermitteln.

Mehrere Mitglieder gelten leider als verschollen.

Liebe Mitglieder der GWJF,   

2020 wird ein neuer Vorstand das Geschick der GWJF und unseres Journals (ab Bd. 46) in die Hände nehmen. Als 1. Vorsitzender bedanke ich mich für das über Jahrzehnte währende Vertrauen in unsere Arbeit. Wirken Sie auch in Zukunft mit bei der Verbreitung unseres Ideengutes und der Mitgliederwerbung in der grünen Praxis und dem wissenschaftlichen Nachwuchs an einschlägigen Fachhochschulen und Fakultäten von Universitäten. In diesen Tagen geht Band 44 der BJWF in den Druck, so dass er Ihnen zum Weihnachtsfest termingerecht zugeht. Der Vorstand wünscht Ihnen Erfüllung aller Wünsche, einen erlebnisreichen Herbst/Winter in Ihren Familien und im Weidwerk.

Mit den besten Weidmannsgrüßen!

Prof. Dr. M. Stubbe

1.     Vorsitzender

Universität Halle | 06099 Halle | Domplatz 4
Telefon 0345 5526453 | Telefax 0345 5527314
E-Mail stubbezoologie.uni-hallede

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